Journalistin, Aufnahmeleiterin & Filmemacherin in Japan
Wajima destroyed houses 4 Jan 2024 _Sonja Blaschke
Zerstörte Häuser in Wajima am 4. Januar 2024 - 72 Stunden nach der Katastrophe © Sonja Blaschke

Wie ist es, aus einem Katastrophengebiet zu berichten?

Anfang Januar reiste ich im Auftrag der Deutschen Welle ins Erdbebengebiet auf der Noto-Halbinsel und war vermutlich als erste deutsche Journalistin vor Ort. Um dem Thema eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen, durfte ich darüber auch für die Zeitung „Welt“ schreiben – aus persönlicher Perspektive.

Nach mehreren Tagen vor Ort, zwei Nächten im Auto und begleitet von der ständigen Angst vor Nachbeben und Erdrutschen war das Noto-Erdbeben für mich ein sehr persönliches Thema geworden. Die Geschichten, die Betroffene nach einer solchen Katastrophe vor Ort erzählen, sind welche, die sich besonders einprägen. Ganz anders als bei „normalen“ Interviews. Umso wichtiger war es mir, für die Stimmen aus der Region ein möglichst breites Forum zu finden. Doch das Interesse daran in Deutschland war zunächst sehr gering.

Zu meiner Freude hatte die Deutsche Welle Interesse an Texten über die Lage vor Ort, sowohl auf Englisch (ich arbeite fast immer für den englischen Dienst der DW) als auch auf Deutsch. Schließlich durfte ich für die „Welt“ zwei Wochen nach dem Erdbeben mit einem „Behind-the-scenes“-Bericht der Reportagereise in einem weiteren großen Medium auf die Katastrophe hinweisen. Das ist dem Entgegenkommen der Deutschen Welle zu verdanken, in deren Auftrag ich ja dort war, aber auch der Offenheit und der Kreativität der „Welt“, das Thema mit einem etwas anderen Zugang an die deutsche Öffentlichkeit zu bringen.

In dem Text beschreibe ich in der Ich-Form, was es bedeutet, aus einem Erdbebengebiet so kurz nach der Kastastrophe zu berichten, was ich mit auf die Reise genommen habe, welcher Abschnitt am gruseligsten war, und worauf man sich gefasst machen sollte – wie eben bei Wintertemperaturen im Auto zu übernachten. Und wie es ist, wenn einen in der zweiten Nacht morgens der Erdbebenalarm aus dem Schlaf reißt. Ich hatte darauf geachtet, unser Fahrzeug möglichst weit weg von Strommasten zu stellen, und möglichst hoch und weit weg vom Meer. Wäre ein Tsunami vom Ausmaß von 2011 auf Wajima zugerast, wäre uns noch das nahe Dach der Klinik von Wajima als Fluchtpunkt geblieben.

Ich hoffe, dass ich bald erneut die Gelegenheit bekomme, in die betroffene Region zu reisen, dann auch an andere Orte, die weniger Aufmerksamkeit abbekommen. Gerne würde ich nochmal mit den Menschen sprechen, die ich damals getroffen habe.

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